Sonntag, 2. Februar 2014

Visionen des Heiligen Don Bosco

Vision über die Heimsuchungen

"An der Vigil vom Feste der Erscheinung des Herrn dieses Jahres 1870 verschwanden alle Gegenstände meines Zimmers vor meinem Geiste, und ich fand mich bei der Betrachtung übernatürlicher Dinge. Dieser Zustand dauerte nicht lange, doch sah ich vieles. Obgleich der Gestalt und der Erscheinung nach sinnfällig, können diese Dinge doch nur äußerst schwer durch äußere sinnlich wahrnehmbare Zeichen anderen mitgeteilt werden. Man bekommt aus dem Folgenden eine Idee davon. Das ist die Sprache Gottes, der Ausdrucksweise der Menschen angepaßt.
Von Süden kommt der Krieg, von Norden kommt der Friede.
Die Gesetze Frankreichs anerkennen nicht mehr den Schöpfer. Der Schöpfer aber wird sich Anerkennung verschaffen und wird es dreimal mit der Rute seines Zornes heimsuchen:
Bei der ersten Heimsuchung wird er dessen Stolz niederschlagen durch Niederlagen, durch Ausplünderung und durch die Vernichtung der Ernte, der Tiere und der Menschen.
Bei der zweiten Züchtigung wird die große Hure von Babylon, also jene Stadt, welche die Guten unter Seufzen das Bordell Europas nennen, eine Beute der Unordnung und ihres Hauptes beraubt. Paris! Paris! Statt dich mit dem Namen des Herrn zu rüsten, umgibst du dich mit den Häusern der Sittenlosigkeit, auf daß das Wort in Erfüllung gehe: 'Die Schlechtigkeit betrog sich selbst.' Deine Feinde werden dich mit Schrecken und Angst erfüllen. Sie werden dich aushungern und du wirst sein ein Abscheu für die Völker. Aber wehe dir, wenn du die Hand nicht anerkennen willst, die dich schlägt. Ich werde die Sittenlosigkeit bestrafen und dich dafür züchtigen, daß du mein Gesetz verlassen und verachtet hast. So spricht der Herr.
Bei der dritten Heimsuchung wirst du in fremde Hand fallen. Von der Ferne werden deine Feinde sehen, wie deine Paläste in Flammen aufgehen, wie deine Wohnstätten Ruinenhaufen geworden sind, getränkt mit dem Blute deiner Verteidiger, die nicht mehr sind.
Doch siehe! Ein gewaltiger Kriegsheld aus dem Norden bringt ein Banner. Auf der Rechten, die es führt, steht geschrieben: 'Unbesieglich die Hand des Herrn.' In diesem Augenblicke geht ihm der ehrwürdige Greis aus Latium entgegen, schwenkend eine stark brennende Fackel ... Dann entfaltete sich das Banner; bisher schwarz, wurde es jetzt weiß wie Schnee. Mitten auf der Standarte stand mit goldenen Buchstaben der Namen dessen geschrieben, der alles vermag. Der Kriegsheld verneigte sich vor dem Greis und sie drückten einander die Hand.
Nunmehr richtet sich die Stimme des Himmels an den Hirten der Hirten: 'Du bist auf der großen Versammlung mit deinen Beisitzern. Aber der Feind des Guten ist nicht einen Augenblick ruhig. Es sinnt aus und betätigt alle Künste wider dich. Er wird Zwietracht säen unter deinen Beisitzern; er wird Feinde erwecken unter deinen Söhnen ... Die Mächte der Welt werden Feuer speien und möchten, daß die Worte den Wächtern meines Gesetzes im Halse stecken bleiben. Dem wird nicht so sein. Sie werden Schlechtes tun, indes Schlimmes für sich selbst. Beschleunige die Sache. Wenn sich die Schwierigkeiten nicht lösen, dann sollen sie durchgehauen werden. Wenn du in Bedrängnissen bist, halte nicht an, sondern fahre fort, bis das Haupt der Schlange des Irrtums wird abgeschlagen werden. Dieser Schlag wird die Erde und die Hölle erzittern lassen; aber die Welt wird gesichert sein und alle Guten werden aufjubeln. Sammle darum um dich nur zwei Helfer. Wo immer du gehst, setze das dir anvertraute Werk fort und vollende es. Rasch gehen die Tage dahin, deine Jahre nähern sich der festgesetzten Zahl; aber die erhabene Königin wird dir immer Hilfe leisten; und wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft wird sie immer der gewaltige und einzigartige Schutz der Kirche sein.
Aber du Italien, Mutter der Segnungen, die du dich in Verwüstungen tauchest. Nicht die Feinde, sondern deine Freunde. Nicht hörst du, daß deine Söhne um das Brot des Glaubens bitten und finden nicht den, der es ihnen reicht. Was soll ich tun? Soll ich die Herde schlagen und zerstreuen. bis die Sitzer auf dem Stuhle des Moses die guten Weiden umgeben und die Herde sanft zuhört sich zu nähern? Aber über die Herde und den Hirten wird meine Hand fahren. Hungersnot, Pest und Krieg werden es machen, daß die Mütter über Söhne und Gatten klagen, die im feindlichen Lande verstorben sind. Und was wird aus dir, Rom? Undankbares, verweichlichtes, stolzes Rom? Du bist so weit gekommen, daß du nichts anderes suchst und bewunderst bei deinem Herrn als den Glanz, vergessend, daß dein und sein Ruhm auf Golgatha ist. Jetzt ist er alt, hinfällig, unbewaffnet, beraubt; doch macht das lichte Wort die ganze Welt erzittern.
Rom! Ich werde viermal zu dir kommen!
Zum ersten Male: Ich werde deine Länder und deine Bewohner erschüttern.
Zum zweiten Male: Ich werde Niederlagen und Vernichtungen bis an deine Mauem bringen. Noch öffnest du die Augen nicht.
Zum dritten Male: Ich werde Verteidigungswerke und Verteidiger niederschlagen und auf Befehl des Vaters wird folgen das Reich des Schreckens, des Entsetzens der Verwüstung. Aber meine Knechte werden fliehen, mein Gesetz wird zertreten. Daher werde ich die vierte Heimsuchung senden.
Zum vierten Male: Wehe dir, daß mein Gesetz dir noch sein wird ein leerer Name. Es werden Übertretungen folgen bei den Gelehrten wie bei den Unwissenden. Dein Blut und das deiner Söhne wird die Flecken abwaschen, die du an dem Gesetz deines Gottes machst. Der Krieg, die Pest, der Hunger sind die Geißeln, durch welche der Hochmut und die Schlechtigkeit der Menschen zerschmettert wird. Wo, ihr Reichen, sind eure Herrlichkeiten, eure Landhäuser, eure Paläste? Sie sind die Kehrichthaufen der Plätze und der Ställe geworden. Aber, ihr Priester. warum eilt ihr nicht, um zwischen der Vorhalle und dem Altare zu weinen und um Aufhebung der Geißeln zu flehen? ... Warum greift ihr nicht den Schild des Glaubens und geht nicht auf die Häuser, auf die Dächer, auf die Straßen, auf die Plätze, an jeden auch zugänglichen Ort, den Namen des Wortes dahin zu tragen? ... Wißt ihr nicht, daß das mein zweischneidiges Schwert ist, welches meine Feinde niederschlägt und den Zorn Gottes und der Menschen bricht?"

Vision über Kirche und Papsttum vom 30. 5. 1862

"Ich will euch einen Traum erzählen. Zwar heißt das Sprichwort, Träume sind Schäume, dennoch will ich zu eurem geistlichen Nutzen meinen Traum mitteilen: Stellt euch vor, ihr wäret mit mir am Meeresgestade, oder, noch besser, auf einer alleinstehenden Felsenklippe, und ihr sähet nur noch den Fleck Landes, der gerade unter euren Füßen liegt. Auf der ganzen weiten Meeresoberfläche sieht man eine unzählige Menge von kampfbereiten Schiffen (Schiffe der Feinde: die Verfolgungen), deren Buge in eiserne Schnäbel von außerordentlicher Schärfe auslaufen und alle auf ein gemeinsames Ziel gerichtet sind. Wohin nun diese scharfen Spitzen aufstoßen, da verwunden und durchbohren sie alles. Diese Schiffe sind mit vielen Kanonen, mit ganzen Ladungen von Gewehren und anderen Waffen aller Art, mit Brennstoffen und auch mit Büchern ausgerüstet und steuern auf ein Schiff, das stattlicher und höher ist als sie selber. Ihr Ziel besteht dann, dieses prächtige Hauptschiff mit den Schiffsschnäbeln zu durchstoßen, es anzuzünden, jedenfalls aber ihm allen möglichen Schaden zuzufügen.
Jenes majestätische, in jeder Hinsicht wohlausgerüstete Schiff ist begleitet von vielen kleinen Schiffen. Diese empfangen von jenem die Kommandos und führen die nötigen Bewegungen aus, um sich gegen die feindlichen Flotten zu verteidigen. Der Wind ist ihnen entgegen, und das aufgeregte Meer scheint die Feinde zu begünstigen.
Mitten auf der unermeßlichen Meeresfläche erheben sich über den Wellen in geringer Entfernung voneinander zwei starke, sehr hohe Säulen. Auf der einen steht die Statue der Unbefleckten Jungfrau, zu deren Füßen glänzt ein Schild mit der Aufschrift: 'Hilfe der Christen!' Auf der anderen, die viel höher und stärker ist, erblickt man eine Hostie von einer Größe, die der Säule entspricht, und darunter prangt in Riesenlettern die Aufschrift: 'Heil der Gläubigen!'
Da der Oberbefehlshaber auf dem großen Schiff (die Kirche), der kein geringerer als der Bischof von Rom, also der Heilige Vater selber ist, die Wut der Feinde und die gefahrvolle Lage sieht, in der sich seine Gläubigen befinden, beschließt er, die Kapitäne der ihm unterstellten Schiffe zu versammeln, um über das, was nun zu tun ist, zu beraten. Alle Kapitäne begeben sich aufs Hauptschiff und vereinigen sich um den Papst. Sie halten Rat, aber da Wind und Wetter sich immer drohender gestalten, sind sie gezwungen, wieder auf ihre eigenen Schiffe zurückzukehren, um deren Führung zu übernehmen.
Als es ein wenig ruhig geworden ist, vereinigt der Papst zum zweiten Male die Kapitäne der einzelnen Schiffe um sich, während das Hauptschiff seinen Lauf fortsetzt. Aber wieder bricht der Sturm mit erneuter Gewalt los. Der Papst steht am Steuer, und seine Kräfte sind darauf gerichtet, sein Schiff zwischen jene zwei Säulen zu führen, von deren Höhe ringsum Anker und an Ketten befestigte starke Ankerhaken herunterhängen. Die feindlichen Schiffe eilen alle heran, um es anzugreifen, und sie versuchen alles, um es zum Stehen zu bringen und es zu versenken. Die einen kämpfen mit Büchern, Schriften und Brennstoffen, mit denen sie angefüllt sind und die sie an Bord des päpstlichen Schiffes zu werfen suchen; andere mit Kanonen, Gewehren und Schiffsschnäbeln. Der Kampf wird immer erbitterter. Die feindlichen Buge stoßen das Schiff des Papstes heftig, aber ihre ungestümen Angriffe bleiben erfolglos. Vergebens machen sie immer wieder neue Versuche, umsonst verschwenden sie Mühe und Munition: das große Schiff zieht sicher und frei auf seinem Wege dahin. Manchmal kommt es wohl vor, daß es, von fürchterlichen Stößen erschüttert, an seinen Planken einen breiten. tiefen Riß erhält. Aber kaum ist der Schaden verursacht, als auch schon von den zwei Säulen her ein Hauch weht und die Lecke sich schließen und die Löcher verstopft werden.
Indes zerplatzen die Kanonen der Angreifer, die Flinten sowie alle anderen Waffen und die Schiffsschnäbel zerbrechen. Viele Schiffe werden zertrümmert und ins Meer versenkt. Jetzt beginnen die wütenden Feinde mit kurzen Waffen zu kämpfen: mit den Händen, mit den Fausten, mit Flüchen und Verwünschungen.
Da auf einmal fällt der Papst, schwer getroffen. Seine Umgebung eilt ihm sofort zu Hilfe und hebt ihn auf. Zum zweiten Male wird der Papst getroffen, er fällt von neuem und stirbt. Bei den Feinden erhebt sich Sieges- und Freudengeschrei, von ihren Schiffen vernimmt man unbeschreiblichen Jubel. Allein, kaum ist der Papst tot, so tritt schon ein anderer Papst an seine Stelle. Die versammelten Kapitäne haben ihn so schnell gewählt, daß die Todesnachricht des Papstes mit der Wahl seines Nachfolgers gleichzeitig bekannt wird. Nun schwindet den Gegnern der Mut.
Der neue Papst führt, jedes Hindernis überwindend und zerstreuend, sein Schiff bis zu den zwei Säulen. In der Mitte zwischen diesen angelangt, befestigt er es mit einer am Vorderteil herabhängenden Kette an einem Anker der Säule, auf welcher die Hostie steht, mit einer anderen, am Hinterteil herabhängenden Kette bindet er es auf der entgegengesetzten Seite an einen anderen Anker, welcher an der Säule hängt, auf der das Bild der Unbefleckten Jungfrau thront.
Jetzt tritt ein großer Umschwung ein. Alle Fahrzeuge, die bis dahin das päpstliche Schiff bekämpft hatten, fliehen, geraten in Verwirrung, stoßen aufeinander und bohren sich gegenseitig in den Grund. Einige Schiffe, die wacker auf seiten des Papstes gekämpft haben, kommen als die ersten, um bei jenen Säulen vor Anker zu gehen. Viele andere Schiffe, die sich aus Furcht vor der Schlacht zurückgezogen hatten, befinden sich in weiter Ferne und warten in klug beobachtender Stellung, bis die Trümmer aller unterlegenen Schiffe in den Wellen des Meeres verschwinden. Dann fassen auch sie Mut und nehmen ihren Lauf jenen Säulen zu. Dort angekommen, gehen auch sie vor Anker und bleiben dort ruhig und sicher zusammen mit dem Hauptschiff, auf dem der Papst sich befindet. Auf dem Meere herrscht jetzt eine große Ruhe."
Loerzer, Sven: Visionen und Prophezeiungen. Augsburg 1998

Sonntag, 19. Januar 2014

Unsere Erlösung - Die Wandlung unseres Fleisches

"Wenn nun also der gemischte Kelch und das zubereitete Brot das Wort Gottes aufnimmt und die Eucharistie zum Leibe Christi wird, woraus die Substanz unseres Fleisches Erhebung und Bestand erhält, wie können sie dann sagen, das Fleisch könne nicht aufnehmen die Gabe Gottes, die in dem ewigen Leben besteht, da es doch von dem Blute und Fleische des Herrn genährt wird und sein Glied ist? So sagt auch der selige Apostel Paulus in dem Briefe an die Epheser: „Wir sind Glieder seines Leibes, aus seinem Fleisch und seinem Gebein“ (4 Eph. 5,30) . Das sagt er nicht von einem geistigen und unsichtbaren Leibe — denn „ein Geist hat weder Bein noch Knochen“ (Lk. 24,3) — sondern von einem wahrhaft menschlichen Organismus, der aus Fleisch, Nerven und Knochen besteht, der von dem Kelch seines Blutes ernährt und von dem Brot seines Leibes erhoben wird. Und wie das Holz der Weinrebe, in der Erde wurzelnd, zu seiner Zeit Frucht hervorbringt, und wie das Weizenkorn in die Erde fällt, sich auflöst und vielfältig aufersteht durch den Geist Gottes, der alles umfaßt — und alsdann kommt dieses weisheitsvoll in den Gebrauch der Menschen, nimmt auf das Wort Gottes und wird zur Eucharistie, welche der Leib und das Blut Christi ist — so werden auch unsere Körper aus ihr genährt, und wenn sie in der Erde geborgen und dort aufgelöst sein werden, dann werden sie zu ihrer Zeit auferstehen, indem das Wort Gottes ihnen verleiht, aufzuerstehen für die Herrlichkeit Gottes des Vaters. Er umgibt dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, schenkt dem Verweslichen aus Gnade seine Unverweslichkeit (1 Kor. 15,53) , da die Kraft Gottes in der Schwäche vollkommen wird (2 Kor. 12,3), damit wir nicht in Undankbarkeit gegen Gott uns jemals hochmütig aufbliesen, gleich als ob wir das Leben aus uns selbst hätten. So sollte die Erfahrung uns lehren, daß wir aus seiner Größe, nicht kraft unserer Natur ewig fortdauern, so sollten wir Gottes Herrlichkeit, wie sie ist, uns vor Augen halten und unsere eigene Schwäche nicht verkennen. Sollten wissen, was Gott vermag, und was der Mensch Gutes empfängt, sollten niemals irre gehen in der wahren Erkenntnis der Wirklichkeit, d. h. des Verhältnisses zwischen Gott und den Menschen, Ja freilich, deswegen hat Gott zugelassen, daß wir in Erde uns auflösen, damit wir allseitig erzogen, in Zukunft in allem gewissenhaft seien und unsere Stellung zu Gott nicht verkännten."

Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien, V, 2.3


"Wenn hunderttausend Teufel samt allen Schwärmern herfahren: wie kann Brot und Wein Christus Leib und Blut sein? so weiß ich, dass alle Geister und Gelehrten auf einen Haufen nicht so klug sind als die göttliche Majestät im kleinsten Fingerlein."

Martin Luther, Der Große Katechismus, Über das Altarssakrament

Freitag, 17. Januar 2014

Des Lebens Weisheit

si placent corpora, deum ex illis lauda et in artificem eorum retorque amorem, ne in his quae tibi placent tu displiceas. si placent animae, in deo amentur, quia et ipsae mutabiles sunt et in illo fixae stabiliuntur: alioquin irent et perirent. in illo ergo amentur, et rape ad eum tecum quas potes et dic eis: `hunc amemus: ipse fecit haec et non est longe. non enim fecit atque abiit, sed ex illo in illo sunt. ecce ubi est, ubi sapit veritas: intimus cordi est, sed cor erravit ab eo. redite, praevaricatores, ad cor et inhaerete illi qui fecit vos. state cum eo et stabitis, requiescite in eo et quieti eritis. quo itis in aspera? quo itis? bonum quod amatis ab illo est: sed quantum est ad illum, bonum est et suave; sed amarum erit iuste, quia iniuste amatur deserto illo quidquid ab illo est. quo vobis adhuc et adhuc ambulare vias difficiles et laboriosas? non est requies ubi quaeratis eam. quaerite quod quaeritis, sed ibi non est ubi quaeritis. beatam vitam quaeritis in regione mortis: non est illic. quomodo enim beata vita, ubi nec vita?

"Wenn irdische Wesen dein Gefallen erregen, so lobe Gott in ihnen und liebe ihren Schöpfer, auf daß du nicht mißfällig werdest in dem, das dir gefällt. Gefallen dir Seelen, so liebe sie in Gott, weil sie selbst wandelbar sind, auf ihn aber sich gründend Bestand gewinnen. Sonst würden sie da hingehen und vergehen. in ihm nur empfinde Liebe zu ihnen und raffe mit dir zu ihm, soviel du vermagst, und sprich zu ihnen: Lasset uns ihn lieben, ihn lasset uns lieben, er selbst schuf ja dies alles und ist nicht fern. Er schuf nicht und ging dann von dannen, nein, aus ihm ist es in ihm. Siehe, wo er ist, da ist die Wahrheit. In des Herzens Tiefen, da wohnet er; aber das Herz, es irrte hinweg von ihm. ihr Übertreter, gehet in euer Herz und hanget an dem, der euch schuf Stehet zu ihm und ihr werdet bestehen, ruhet in ihm und Friede wird mit euch sein. Wo gehet ihr hin in die Finsternisse? Wo gehet ihr hin? Das Gute, das ihr liebt, ist von ihm; aber nur soweit es ihm geweiht ist, ist es gut und angenehm, mit Recht aber wird es bitter, sofern wir es mit Unrecht lieben, was von ihm ist, indem wir seiner dabei vergessen. Was sollen wir auch fort und fort wandeln auf steilem und dornenvollem Pfade? Da ist der Friede gewißlich nicht, wo ihr ihn sucht. Suchet, soviel ihr könnt; aber wo ihr sucht, da ist er nicht. Ihr sucht die Seligkeit auf dem Gefilde des Todes, dort aber ist sie nicht. Wie könnte da seliges Leben sein, wo nicht einmal Leben ist?

et descendit huc ipsa vita nostra, et tulit mortem nostram et occidit eam de abundantia vitae suae, et tonuit, clamans ut redeamus hinc ad eum in illud secretum unde processit ad nos, in ipsum primum virginalem uterum ubi ei nupsit humana creatura, caro mortalis, ne semper mortalis. et inde velut sponsus procedens de thalamo suo exultavit ut gigans ad currendam viam. non enim tardavit, sed cucurrit clamans dictis, factis, morte, vita, descensu, ascensu, clamans ut redeamus ad eum: et discessit ab oculis, ut redeamus ad eum. et discessit ab oculis, ut redeamus ad cor et inveniamus eum. abscessit enim et ecce hic est. noluit nobiscum diu esse et non reliquit nos. illuc enim abscessit unde numquam recessit, quia mundus per eum factus est, et in hoc mundo erat et venit in hunc mundum peccatores salvos facere. cui confitetur anima mea et sanat eam, quoniam peccavit illi. filii hominum, quo usque graves corde? numquid et post descensum vitae non vultis ascendere et vivere? sed quo ascenditis, quando in alto estis et posuistis in caelo os vestrum? descendite, ut ascendatis, et ascendatis ad deum. cecidistis enim ascendendo contra deum.' dic eis ista, ut plorent in convalle plorationis, et sic eos rape tecum ad deum, quia de spiritu eius haec dicis eis, si dicis ardens igne caritatis.


Und er selbst, unser Leben stieg herab und trug unsern Tod und tötete ihn durch die Fülle seines Lebens. Und mit Donnerstimme ruft er uns zu, daß wir von hier zu ihm zurückkehren in jenes geheimnisvolle Heiligtum, aus dem er hervorging zu uns eingehend zuerst in den jungfräulichen Leib, wo sich mit ihm der Mensch, das sterbliche Fleisch, vermählte, auf daß er nicht ewig sterblich bleibe, und von da ging er hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freuet sich wie ein Held zu laufen seinen Weg. Er säumte nicht, sondern rief eilends mit Worten und Taten, mit Tod und Leben, mit Höllenfahrt und Himmelfahrt, ja er rief, daß wir zu ihm zurückkehrten. Er ist unseren Augen entrückt, auf daß wir in uns gingen und ihn fänden. Er ging hinweg, und siehe, hier ist er. Nicht wollte er weilen bei uns lange Zeit, und doch hat er uns nicht verlassen. Er ist dahin gegangen, von wo er nie weggegangen, weil die Welt durch ihn gemacht ist. Er war in dieser Welt und kam in die Welt, die Sünder selig zu machen. Ihm bekennt meine Seele ihre Missetat, und er heilt sie von all ihrer Krankheit; ihr Menschenkinder, wie lange wollt ihr beschwerten Herzens bleiben? Wollt ihr nicht, da das Leben herabstieg, hinaufsteigen? Aber wohin wollt ihr euch noch erheben, da ihr in der Höhe seid und euer Haupt bis an den Himmel erhebet? Steiget herab, auf daß ihr euch erhebet; steiget hinauf zu Gott. Denn gefallen seid ihr, die ihr euch gegen ihn erhobt." Dies verkünde ihnen, damit sie weinen im Tal der Tränen, und so raffe sie mit dir zu Gott hin, denn aus seinem Geiste redest du zu ihnen, wenn du redest entflammt vom Feuer heiliger Liebe."

Augustinus, Bekenntnisse, IV, 12, Übersetzung Otto F. Lachmann, Reclam, Leipzig, 1888

Freitag, 10. Januar 2014

Dem Stern folgen - Traditio & traditiones

"Es gilt darum, die bleibend verbindliche und doch stets immer wieder junge Traditio (groß geschrieben) zu unterscheiden von den vielen traditiones (klein geschrieben), welche eine Traditio in einer zeitbedingten Weise ausdrücken, sie aber auch verdunkeln und verstellen können (man denke etwa an antijudaistische, leibfeindliche und frauenfeindliche Traditionen). In diesem Sinne hat das Konzil mehrfach zeitbedingte traditiones aufgebrochen, um die eine, bleibende, verbindliche Traditio wieder zum Leuchten zu bringen."

Walter Kardinal Kasper, Katholische Kirche, Wesen Wirkung, Sendung, 2011, S. 35

Donnerstag, 9. Januar 2014

Dem Stern folgen - Die Öffnung

"Ich bin überzeugt , daß sich von einer Öffnung für die Transzendenz hier eine neue politische und wirtschaftliche Mentalität bilden könnte, die helfen würde, die absolute Dichotomie zwischen Wirtschaft und Gemeinwohl zu überwinden."

Franziskus, Evangelii Gaudium, 205

Montag, 6. Januar 2014

Die Anbetung der Könige, Erscheinung, Taufe des Herren.

Die Anbetung der Könige, Erscheinung, Taufe des Herren.

Heute ist ein seltsamer Feiertag der Kirche. Es scheinen drei und ehemals sogar 4 ziemlich essentielle Ereignisse des Heilsgeschehens in eins gelegt und gefeiert zu werden. Das gibt dem Tag seine besondere, ja eine mysteriös-sakramentale Dichte und zwar gerade für eine semi- und hypersäkulare Zeit, in der wir leben. 
Ich werde versuchen im Folgenden ein wenig der Tatsache des Hingangs der 3 Weisen, der Magier, der Könige aus dem Morgenland zum Stall von Bethlehem, der Tatsache des Hingangs zum Niederknien und sich Verneigen vor dem neugeborenen Heil und Heiland der Welt nachzugehen und sie, so gut es mir möglich ist, mit der Tatsache der Epiphanie des Herren zu verbinden.
Die Weisen, also diejenigen, welche den Schwerpunkt ihrer Selbstentfaltung, -beglaubigung und -verwirklichung in der gnostischen Entfaltung und Verfügung der Wissens- und Sachbereiche und ihrer (technischen) Versorgung und Beherrschung, in der Entfaltung einer allgemeinen und fast ins Übergreifende gehenden, planetarischen Wissensentfaltung haben, folgen den Medien ihrer eigenen Verwirklichung und ihres Paradigmas, um dorthin zu gehen, wo der „neue Heiland der Welt“ aufgegangen ist und um sich vor ihm zu verneigen, also um ihm die Referenz zu erweisen und um die hierarchischen Verhältnisse zu bezeugen, sich unter ihren König und Herrscher zu unterwerfen, der jedoch so niedrig und so klein ist, dass eine Unterwerfung unter ihn und ein Niederknien vor ihn schwierig und unmöglich wird, was sie aber trotzdem vermittelt über das mediale Medium der Schenkung und der interrelationalen Referenzerweisung (Verbeugen, Niederknien) tun. 
Das Höchste, Mächtigste (Die Wissensmacht und der Wille zur Wissensmacht) und das Umfänglichste, Ausgespannteste und Allgemeinste kommt vor einen Punkt und wird zu „einem Punkt“, einem Ereignis gerufen, in welchem es tatsächlich versammelt ist und aus welchem es entlassen und in dem es gefügt ist. Zu jenem, das auch ihnen ihren Sinn gibt, das die Macht der Macht ist und die Größe der Größe, die offenbart wird, die sich offenbart, darbringt, erzeigt und gegeben wird, um von nun an eine eine neue Welt zu bilden, eine Welt in welcher der Ursprung der Welt nicht nur nivellierend inkludiert ist, sondern eine Welt, die erneut aus und mit ihrem Ursprung und ihrer Vollendung und in dieser neuen Entfaltung der Vollendung und der Versöhnungs- und Heilsgeschichte ist.
Dem Wissen und der Macht und dem Vermögen wird der Sinn und der Grund und die Absicht ihrer selbst als es selbst präsentiert und präsent. Es geht ihnen auf. Sie werden durch ihre eigenen Aufstellungen auf es verwiesen und auf es aufmerksam gemacht und zu ihm geleitet. 
Das an das die Offenbarung und die Gabe ergeht, wird von sich selbst aus auf ihre Transzendenz und ihre Terminierung und Vollendung, auf ihre Entelechie hingeleitet und vor sie hingeführt und zwar, indem es ihrem Leitstern folgt, also jenem folgt, das das Vorschwebende und das Leitende und das Ideale eines jeglichen Systems und einer jeglichen Immanenz ist, einer jeden Immanenz, welche als solche einen Stern an ihr selbst hat, ein Etwas, das eine Teilselbstdifferenz bedingt und eröffnet, aus welcher Teilselbstdifferenz eine neue Gabe und Annahme und Offenbarung, ein neuer Empfang der Vollendung werden kann, also jenes Begehren und jene Intention, die jeglichem System immanent und inhärent ist, nämlich diejenige nach der Vollendung.
Die Vollendung und die Erfüllung, das Optimum und das Telos aber jeglichen globalen Wissens- und Betriebs- und Verfügungssystems ist nicht das Über-mäßige, Über-mächtige, Über-wissende. Es ist vielmehr das Eingefaltete, das Kleinere als das Mögliche, das Eingewendete, das Kleine, in dem alles ist und enthalten und möglich ist und dieses ist für die Analogizität der Menschheit und der Schöpfung das Kind, als welches das Absolute und das Unbedingte zu einer neuen Lebensvollendung führend wird, um genau dieses Immanente zu jener neuen Vollendungsermöglichung und Vollendung zu führen der Unbedingtheit und des unbedingten neuen Lebens, des heilen neuen und aufgängigen Lebens, des Lebens, das die Grundverhinderungen und Grundhinfälligkeiten und -verstrickungen überwunden und aufgelöst hat, indem es sie in diesem Heilbringenden auflöst und einlöst und damit die Versöhnung einrichtet und schenkt.
Die Weisheit geht vor und in die Verneigung vor das kleine Kind im Stall, in welchem ihm das eigene System und der Verweisungscharakter der in ihm enthalten ist, das Heilbringende und das Heilschaffende gewiesen wird, jenes in welchem das Optimum und das Optimale ist und hergestellt wird, jenes, das an ihm selbst die Heilung der Grundbrüche vollbringt und vollzieht, das also die Macht und das Wissen und das Vermögen an ihm selbst erweist. 
Dieses ist aber das Vermögen des optimalen Lebens, des vollendeten und des geheilten, des erneut ganzen Lebens und seines heilsamen Vollzuges. Hierin erweist sich das Wissen des Wissens, die Macht der Macht und das Vermögen des Vermögens. Hierin erweisen, erfüllen und vollziehen sie sich. 
Hier erscheint das Telos, die Entelechie, die Vollendung des ganzen Systems. 
In welcher Weise hängt das und ist das zusammengefügt mit der Epiphanie, also dem Hindurchschein und dem Allüberallschein des Herren?
In welcher Weise entdecken wir in dieser Epiphanie und in der Epiphanie (als solchen) jenes göttliche Kind, jenes Kind sogar, das in der Vertreibung des Stalls, der Ausgestoßenheit liegt und in dem das Heil ist und das das Heil des vollendeten Lebens bringt? Inwiefern sind wir in der Lage, in jenem Ende und jener Vollendung des Lebens dieses Lebens, nämlich am Kreuz, jene Vollendung des Lebens zu finden und zu sehen, in welcher und bei welcher es endet? Wir können dies nur, wenn wir dieses Ende als die Gewähr und als die „Opferung“ und Selbsthingabe jenes erkennen und entdecken, in welcher das Hindernde selbst auf sich genommen hinweggenommen wird, in welcher also das Heil der Heilung, die Versöhnung in der Opferung geschieht, indem wir in ihm die Annahme der Stellvertretung sehn: Das Tragen unserer Hinfälligkeit und Sünde, also jenes, das uns hätte ereilen sollen, aber nun ihn oder es, das Opfer, ereilt, welches dieses für uns auf sich nimmt und so das Zustehende hinwegnimmt, um so Heilsordnung zu eröffnen und in diesem Akt und Vollzug einzurichten.
Die Epiphanie ist also die Epiphanie der Hinwegnahme, der Selbst-dargabe und der Vernahme der Eröffnung und Heilung und Versöhnung. 
Dies ist die Herausforderung an das Wissen und die Weisheit, an die Macht und das Vermögen: 
Zu vernehmen, dass unser Heil hergestellt worden ist.
Und zu dieser Erlösung gerufen zu sein.
Dem Stern zu folgen, der zu dieser Botschaft führen und hinführen will.
Das könnte auch die Taufe sein, in welcher jener Herr getauft worden ist

und jene Geburt, aus der alles geworden ist, was (neu) geworden ist und wird.

Sonntag, 5. Januar 2014

Dem Stern folgen - Der Stern

"Warum so wenige den Stern sehen?
Ja, weil keiner nach ihm schaut. 
Mancher nimmt es sich manchmal vor, aber hat immer etwas Billigeres, das gilt und vorgeht. 
Die Welt war ja auch tausend Jahre in festen Händen und gut eingerichtet und wurde jeden Tag besser.
Wir haben die gesamte Kreatur und das Universum durch diese banale Oberflächlichkeit und bürgerliche Sattheit so gereizt und geärgert,dass sie uns inzwischen zum Fragen gebracht haben.
Aber noch sind wir erst die Aufgeschreckten...
Nach was fragen wir schon!
Und wo glüht noch diese echte Leidenschaft des Herzens, die keine Wüste scheut und keine Fremde, keine Einsamkeit und kein wissendes Lächeln derer, die den Gläubigen immer für einen Toren halten."          


Alfred Delp, Jesuitenpater, + 2. Februar 1945 Berlin-Plötzensee, hingerichtet