Donnerstag, 18. Dezember 2014

O Herr

O Adonai,
et dux domus Israël,
qui Moyse in igne flammae rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos in brachio extento."*
                                       Zweites O-Antiphon
O Herr, komme als Kind
im Dornbusch deiner angebeteten Krippe.
Befreie uns aus den Stricken 
unserer armen Erbärmlichkeit.
Du starker Retter.


*O Herr 
und Fürst des Hauses Israel, 
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs, 
und gabst ihm das Gesetz am Sinai. 
Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Nachtgedanken: Erlösungsleistung

"Gewiß, da der gemeinsame Erlöser aller für uns gestorben ist, so brauchen wir, die wir in Christus gläubig sind, jetzt nicht mehr des Todes zu sterben, wie ehedem das Gesetz laut drohte; aufgehoben ist ja dies Urteil. Vielmehr werden wir jetzt, da die Verwesung in der Gnade der Auferstehung beseitigt und gehoben ist, nur mehr entsprechend unserem sterblichen Leib eine Zeitlang aufgelöst, wie es Gott einem jeden festgesetzt hat, um zu einer besseren Auferstehung gelangen zu können. Denn nach Art der in die Erde gesenkten Samen gehen wir bei der Auflösung nicht zugrunde, sondern Saatkörnern gleich werden wir auferstehen, da der Tod in Kraft der Gnade des Heilandes überwunden ist."

Athanasius, Über die Fleischwerdung des Wortes, 21

Wir können als Christen ja den ersten Satz nicht mehr begreifen. Das Fehlen des Fürwahrhaltens der folgenden wird uns aber bei der Befragung eindeutig als unterlassene Hilfeleistung und als verweigerte Dienstleistung an der Rettung der Welt angerechnet werden.

O Weisheit

"O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiae." *

                                        Erstes O-Antiphon
O Weisheit, du, die du der Mantel der Welt bist.
Stehe auf. Sei dir dessen bewußt, dass 
du über die ganze Welt gehst, wie 
jener Teppich, der alles enthält. 
Verschweige die Blutspuren nicht, 
die dir ins Gesicht geschlagen wurden
als du gingst
und lasse den in dich kommen, 
der dich überragt. 

O Weisheit, gieße dich aus jenem Stall
über die Herzen aller
und bringe den Friedlosen Frieden
und das Vermögen 
aus Streit und Wirrung
Aufgänge freudefeiernder Welt zu zeugen. 

"O Weisheit, 
hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst du von einem Ende zum andern,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
Komm und lehre uns den Weg der Einsicht!"

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Überzeugen

„Stand aber ihr Geist sogar im Bann des Totenkultes, so dass sie die Helden und die bei den Dichtern vorkommenden Götter verehrten, so mussten sie angesichts der Auferstehung des Erlösers zugeben, dass jene Truggestalten sind und der wahre Herr allein das Wort des Vaters ist, da es auch Herr über den Tod ist. Darum ist es auch geboren worden, als Mensch erschienen, gestorben und auferstanden. Und mit seinen eigenen Werken stellte es die Taten aller Menschen aller Zeiten in den Hintergrund und in den Schatten, um die Menschen aus jeglicher Verbohrtheit herauszuführen  und sie seinen wahren Vater zu lehren, wie es auch selbst sagt: „Ich bin gekommen, zu retten und zu suchen, was verloren war.““

Athanasius, De incarnatione Verbi, 15

Samstag, 6. Dezember 2014

Niederkunft: Spotshot 1

"Deshalb also kommt der körperlose, unverwesliche und immaterielle Logos Gottes in unsere Heimat, obschon er auch vorher uns nicht ferne stand. Denn kein Teil der Schöpfung ist von ihm leer gelassen; vielmehr hat er alles in allem erfüllt, indes er selbst bei seinem Vater blieb. Aber jetzt erscheint er und läßt sich zu uns herab aus Liebe zu uns Menschen, und zwar in sichtbarer Gestalt. Er sah das vernünftige Geschlecht zugrunde gehen und den Tod mit seiner Verwesung herrschen über die Menschen; er sah, wie auch die Strafandrohung für die Sünde uns im Banne des Verderbens festhalte und eine Befreiung daraus vor der Erfüllung des Gesetzes unangebracht wäre; er sah auch das Unziemliche, das im Falle des Unterganges der Wesen, deren Schöpfer er selber war, gelegen wäre; er sah auch die überflutende Bosheit der Menschen und wie sie diese nachgerade bis zur Unerträglichkeit zu ihrem eigenen Verderben steigerten; er sah endlich alle Menschen als die Beute des Todes. Deshalb erbarmte er sich unseres Geschlechtes, hatte Mitleid mit unserer Schwachheit, ließ sich herab zu unserer Vergänglichkeit, duldete die Herrschaft des Todes nicht, und um die Schöpfung gegen den Tod zu schützen und das Werk seines Vaters an den Menschen nicht vergeblich sein zu lassen, nahm er einen Leib an, und zwar keinen anderen als den unsrigen. Denn er wollte nicht einfach in einem Leibe Wohnung nehmen, und er wollte nicht bloß äußerlich erscheinen. Hätte er nur das wollen, so hätte er in einem anderen besseren Leibe als Gott erscheinen können. Aber nein! Er nimmt unseren Leib an, und zwar nicht auf einem beliebigen Wege, sondern von einer unbefleckten, makellosen und mit keinem Mann bekannten Jungfrau einen reinen, vom Verkehr mit Männern wahrhaft unberührten Leib. In seiner Macht und als Schöpfer aller Dinge bereitet er sich in der Jungfrau den Leib zum Tempel und eignet sich ihn als Werkzeug an, gibt sich in ihm zu erkennen und wohnt darin. Und so nahm er einen Leib an, dem unsrigen gleich, überantwortete ihn, da alle unter der Macht des Todes standen, anstatt aller dem Tode und brachte ihn dem Vater dar. Und das tat er aus Liebe zu den Menschen, damit alle in ihm sterben und so das Gesetz von der Verwesung der Menschen aufgehoben würde, da ja seine Macht am Leibe des Herrn sich erschöpft hat und bei den gleichartigen Menschen keinen Zugang mehr finden kann. Auch wollte er die Menschen, die in die Verweslichkeit zurückgefallen waren, wieder zur Unverweslichkeit erheben und sie vom Tode zu neuem Leben erwecken, indem er durch die Aneignung des Leibes und die Gnade der Auferstehung den Tod in ihnen wie eine Stoppel im Feuer vernichtete."

Athanasius, De incarnatione verbi, 7

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Kommen

Gebet

Herr, du stehst vor der Tür. Du kommst und willst kommen. Gelinge deine Niederkunft heuer in der Freude, damit die Hirten kommen und sehen, deine Herrlichkeit schauen, die auf dem digitalen Heu liegt, auf das Du dich niedergelegt hast in jenen von Detonationen brummenden Hallen, welche du in deinem Licht in jene Hochzeits- und Jubelsäle des Himmels wandeln wirst, so wie du nackt und bedürftig und überaus verletzbar da liegst auf dem Heu dieser Welt, die die Ohren für dich gespitzt hat, die Zunge feingemacht in jahrtausendealter Entbehrung und alles fahren gelassen hat, damit sie dir zujubeln kann
und jenen Reigen und Tanz anstimmt, der das versteinerte Herz der Erde erweichen und ihr die Tränen lösen wird. 
Herr, komme als jener Erwartete, König und Lehrer, als jenes belustigende und erfüllende Kind, das alles endgültig einrichtet und gehe auf als die Vollendung, als die Kapitalisation der Welt, als jener
in welchem die Welt plötzlich erkennt, dass ihr ein Herz gegeben wurde. 
Und dieses schlägt. 
Und die Adern des jungen Blutes
machen die Fluren fruchtbar
und die tenebre Luft
machen sie urbar
und den Frieden teilen sie mit.
Das Zeichen aber, woran du erkennen sollst, dass dies geschieht, wird sein, wenn alle wetteifern, im Erreichen und Einrichten der Vollkommenheit, im Verkehr und Austausch
zu sein auch mit dem Unendlichen, 
das sich gibt, um
zusammen
in jene Himmel verwandelt 
zu sein, 
die hier sind. 


Dienstag, 2. Dezember 2014

Grundunterscheidungen (Athanasius)

„So also hat Gott den Menschen erschaffen und ihn in der Unsterblichkeit belassen wollen. Die Menschen jedoch würdigten den geistigen Verkehr mit Gott wenig, kehrten sich davon ab, erdachten und ersannen sich die Bosheit, wie im ersten Teil ausgeführt wurde, und verfielen dem angedrohten Todesurteil. Jetzt sollten sie auch nicht mehr so bleiben, wie sie geschaffen worden sind, vielmehr sanken sie entsprechend ihrer Denkart immer tiefer, und der Tod wurde ihr Gewaltherr. Denn die Übertretung des Gebotes warf sie auf ihren natürlichen Urstand zurück, so daß sie, wie aus dem Nichts geworden, so auch mit Recht nach Ablauf der Zeit den Verlust ihrer Existenz zu gewärtigen hatten.“ Athanasius, Über die Fleischwerdung des Logos, 4, http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2251-3.htm


Der geistige Verkehr mit Gott - Abkehr von ihm - zum Niederen, Materiellen - und der Wunsch nach „Einsicht“, nach „Rumstreunen“ in den Gassen von „Gut und Böse“, d.h. vom Wissenwollen der Beschaffenheit der Güter und der Abfälle und Mängel (des Bösen), der Versuchungen und Reize des Hinfälligen.


Diese Abkehr aber von dem „Sein in und mit Gott“ in der Fülle der Erfülltheit der ganzen Welt und des ganzen Lebens in der pneumatischen göttlichen Fülle und Zufriedenheit und hin zu der „kreatürlichen Zweitordnung der „Hauskonstruktionen““ wendet auch ab von dem „Ewigen Leben“, welches jenes Sein mit ihm ist (Kontemplation) und entzieht einen seiner Waltung, wie wenn man von einem erleuchteten Raum in einen unerleuchteten geht, das Licht abnimmt und irgendwann das Licht die Herrschaft an das Nicht-Licht abgibt und dann dieses das Waltende wird. So gerät der Mensch in die Fänge des Todes. Das innere Gesetz jener Konstruktion und reinen Geschöpflichkeit ist das Nichts, ist der Tod. Sein etwas wird ihm durch die Teilhabe und durch die Mitteilung jenes schöpferischen Lichtes und Pneumas und Sohnes gegeben, ansonsten es sterben muss.