Mittwoch, 18. Juli 2012

Das Kommen


"Wehe dir, Verwüster, der du selbst nicht verwüstet bist,
und dir, Betrüger, den man nicht betrogen hat!
Wenn du das Verwüsten beendet hast, wirst du verwüstet werden.
Wenn du aufgehört hast zu betrügen, wird man dich betrügen.

HERR, sei uns gnädig,
auf dich hoffen wir!
Sei ihr Arm an jedem Morgen,
ja, unsere Hilfe in der Zeit der Not!

Vor dem Getöse flüchten Völker,
wenn du dich erhebst, zerstreuen sich Nationen.

Und eure Beute wird eingesammelt,
wie die Heuschrecke einsammelt,
wie der Überfall der Heuschreckenschwärme
fällt man darüber her.

Erhaben ist der HERR,
er wohnt in der Höhe,
mit Recht und Gerechtigkeit
hat er Zion gefüllt.

Dann wirst du sichere Zeiten haben.
Ein Vorrat an Hilfe sind Weisheit und Erkenntnis,
die Furcht des HERRN, sie ist sein Schatz.

Sieh, draussen schreien verzweifelt die Helden,
bitterlich weinen die Friedensboten.

Verödet sind die Strassen,
niemand zieht mehr des Wegs.
Man hat den Bund gebrochen,
die Städte hat man verworfen,
den Menschen achtet man nicht.

Man trauert, das Land ist ausgetrocknet,
beschämt ist der Libanon, verwelkt.
Wie die Araba ist die Ebene von Scharon geworden,
und der Baschan und der Karmel werfen ihr Laub ab.

Nun werde ich aufstehen, spricht der HERR,
nun mich aufrichten,
nun mich erheben.

Mit dürrem Gras geht ihr schwanger,
Stoppeln werdet ihr gebären,
euer Schnauben ist ein Feuer, das euch verzehren wird.

Und Völker werden verbrannt zu Kalk,
abgehauene Dornen, die man im Feuer verbrennt.

Ihr in der Ferne, hört, was ich getan habe,
und ihr in der Nähe, erkennt meine Kraft!

In Zion sind die Sünder erschrocken,
Zittern hat die Gottlosen ergriffen:
Wer von uns könnte sich aufhalten bei dem verzehrenden Feuer?
Wer von uns könnte sich aufhalten bei den ewigen Gluten?

Wer gerecht lebt
und aufrichtig redet,
wer erpressten Gewinn verwirft,
wer mit seinen Händen abwehrt und keine Bestechung annimmt,
wer sein Ohr verstopft, damit er nichts hört von Blutschuld,
und wer seine Augen verschliesst, damit er nichts Böses sieht,

der wird auf Höhen wohnen.
Schutzburgen in den Felsen sind seine Zuflucht,
sein Brot wird ihm gereicht,
sein Wasser versiegt nicht.

Deine Augen werden den König in seiner Schönheit schauen,
ein weites Land werden sie sehen.

Dein Herz wird an den Schrecken denken:
Wo ist, der zählte? Wo der, der wog?
Wo ist, der die Türme zählte?

Das freche Volk wirst du nicht sehen,
das Volk mit einer Sprache, so unverständlich, dass man sie nicht hören kann,
mit stammelnder Zunge, nicht zu verstehen.

Schau auf Zion,
die Stadt unserer Feste,
deine Augen werden Jerusalem sehen, die sorgenfreie Wohnstatt,
das Zelt, das man nicht abbricht,
nie werden seine Pflöcke herausgerissen,
und keiner seiner Stricke wird zerrissen.

Dort ist ein Mächtiger für uns da, der HERR!
Es ist ein Ort mit Flüssen, breiten Strömen,
kein Ruderschiff fährt darauf,
und kein protzendes Schiff zieht dahin.

Der HERR ist unser Richter,
der HERR führt uns,
der HERR ist unser König,
er hilft uns!

Schlaff sind deine Taue,
das Gestell ihres Mastbaums können sie nicht halten,
die Flagge haben sie nicht entrollt.
Dann wird viel Raubgut aufgeteilt,
Lahme haben Beute erbeutet.

Und kein Einwohner wird sagen: Ich leide.
Dem Volk, das darin wohnt, ist die Schuld vergeben."

Jesaja 33 

Freitag, 13. Juli 2012

Das Mehr


Aber für mich wäre aller noch so fromme Jesuanismus, alles Engagement für Gerechtigkeit und Liebe in der Welt, aller Humanismus, der Gott für den Menschen verbrauchen würde und den Menschen nicht in den Abgrund Gottes hineinstürzt, Religion eines unbegreiflich bescheidenen Humanismus, der uns einfach vor der ungeheuerlichen Gewalt der Liebe Gottes, in der Gott wirklich selber aus sich selber gerät, verboten ist. Wir können nur entweder alles, nämlich Gott in seiner reinen Gottheit wollen oder wir sind verdammt, d.h. begraben in dem Kerker unserer Endlichkeit.“

Karl Rahner, Erfahrungen eines katholischen Theologen

Die zwei Staaten


Was wäre, wenn das Wort "Gott" aus unserer Sprache verschwände?

"Der Mensch hätte das Ganze und seinen Grund vergessen, und zugleich vergessen - wenn man das noch so sagen könnte -, daß er vergessen hat. Was wäre dann? Wir können nur sagen: Er würde aufhören, ein Mensch zu sein. Er hätte sich zurückgekreuzt zum findigen Tier. Wir können heute nicht mehr so leicht sagen, daß dort schon Mensch ist, wo ein Lebewesen dieser Erde aufrecht geht, Feuer macht und einen Stein zum Faustkeil bearbeitet. Wir können nur sagen, daß dann ein Mensch ist, wenn dieses Lebewesen denkend, worthaft und in Freiheit das Ganze von Welt und Dasein vor sich und in die Frage bringt, mag er auch dabei vor dieser einen und totalen Frage ratlos verstummen. So wäre es ja vielleicht - wer vermag das genau zu wissen - auch denkbar, daß die Menschheit in einem kollektiven Tod bei biologischem und technisch-rationalem Fortbestand stirbt und sich zurückverwandelt in einen Termitenstaat unerhört findiger Tiere."

Karl Rahner, Grundkurs des Glaubens, Meditation über das Wort "Gott"

Donnerstag, 5. Juli 2012

Der Böse

Enigmatische Eröffnung des Ursprungs und der Natur des Bösen

"Da der ERSTE URSPRUNG in höchstem Maße gut ist, tut er nichts, was nicht gut wäre - geht doch vom Guten nur Gutes aus. Was aber vom höchsten Gut stammt, ist eben dadurch geringer als dieses, das heißt: es kann nicht das höchste Gut sein. Der Engel wurde also von Gott als gut erschaffen, aber nicht als das höchste Gut, sondern als ein Gut, das noch der weiteren Vollendung fähig war, sofern es sich nur mit seinem Streben dem höchsten Gut zuwendete. 
Es war also möglich, daß der Engel in freier Entscheidung seines Willens dem höchsten Gut zustreben oder aber sich dem eigenen Gut zuwenden konnte. Der Blick auf seine Schönheit und seinen hohen Rang weckte in Luzifer die Liebe zu seinem eigenen Gut (bonum privatum), er wurde stolz auf den hohen Rang, den er bereits besaß, und strebte nach seiner eigenen Vorrangstellung, die er noch nicht erreicht hatte. In diesem Akt der Überhebung setzte er sich selbst als Ursprung (principium) seiner selbst; er sonnte sich in seinem eigenen Glanz. Im Akt des ehrgeizigen Strebens setzte er sich selbst als höchstes Gut für sich selbst: sein Streben sollte in ihm selbst Ruhe finden. Da er aber selbst weder der Erste Ursprung noch das Höchste Gut ist, folgte aus diesem Streben wider die Ordnung notwendig der Sturz; und aus dem gleichen Grund stürzten alle seine Gesinnungsgenossen. 
Weil es "die Häßlichkeit der Sünde nicht ohne die Zierde der Gerechtigkeit gibt", so verloren sie mit dem Sturz in die Sünde auch ihren erhabenen Ort, das Empyreum; sie mußten absteigen bis zur Sphäre der finsteren Luft oder zur Unterwelt. Daß sie in Sünde fielen, war durch ihren freien Willen herbeigeführt, daß sie der Strafe verfielen, durch den Urteilsspruch Gottes. 
Und weil es die Eigenart des Engels ist, nach der Wahl unwandelbar im Gewählten zu verharren, so wurde Luzifer verhärtet im Bösen, und daher auch blind gegenüber der Wahrheit, verkehrt im Handeln und geschwächt in seiner Kraft. Daher ist sein Wille gottlos, sein Tun, das sich von Gott abgewandt hat, hat sich in Haß und Neid gegen den Menschen gewandt. Die klare Geistesschärfe, blind geworden für die Wahrheit, hat sich auf Täuschungen durch Wahrsagen oder sonstigen Trug verlegt. Den wahren Dienst, der seines Amtes gewesen wäre, verließ er und nahm die Tätigkeit des Versuchers auf. Das machtvolle Wirken (virtuositas) wurde gemindert und beschränkt, und - sofern es zugelassen wird - verlegt es sich auf das Wirken von Wundertaten: durch plötzliche Veränderungen im Bereich der materiellen Schöpfung.
Und weil all dies wider die Ordnung ist, insofern es von einem durch den Hochmut verdorbenen Willen stammt, so verwendet er auch all das als Nahrung für seinen Hochmut: er will von den Menschen angebetet und verehrt werden an Stelle Gottes. Daher kommt es, daß "alle seine Taten schlecht sind". Gott läßt dies dennoch zu, zur Strafe für die Übeltäter und zum Ruhm der Guten, wie es beim Jüngsten Gericht offenbar werden wird."

Hl. Bonaventura, Breviloquium

Sonntag, 1. Juli 2012

Auf-erhebung

"Wenn ein Löwe heute die Prophezeiung über jenen Tag lesen könnte, an dem er Heu fressen soll wie ein Ochse, dann würde er sie nicht für eine Beschreibung des Himmels halten, sondern der Hölle. Wenn es aber im Löwen einzig Raubtier-Empfindungen gibt und sonst nichts, dann ist er ohne Bewußtsein, und sein "Überleben" hätte keinen Sinn. Ist in ihm aber auch nur die Ahnung von einem Löwen-Selbst, dann kann Gott ihm auch einen "Leib" nach Seinem Willen verleihen - einen Leib, der nun nicht mehr von der Vernichtung des Lammes lebt und der dennoch ungeschmälert löwenhaft ist, so daß in ihm alle Energie, alles Prächtige und all die jauchzende Macht zum Ausdruck kommt, die dem irdischen Löwen eigen ist. Meine unmaßgebliche Meinung ist, daß der Prophet sich einer orientalischen Hyperbel bedient, wenn er von dem Löwen und dem Lamme sagt, sie "lägen beieinander". Das wäre nämlich ziemlich unverschämt von dem Lamm. Würden Löwen und Lämmer, außer bei seltenen, alle Ordnungen auf den Kopf stellenden himmlischen Saturnalien, auf solche Weise miteinander verkehren, so wäre das genau das gleiche, als gäbe es weder Löwen noch Lämmer. Ich glaube, der Löwe wird, wenn er aufgehört hat, gefährlich zu sein, immer noch ehrfürchtige Scheu erregen; in der Tat, erst dann werden wir das zu Gesicht bekommen, wovon die jetzigen Pranken und Klauen nur eine plumpe und satanisch entstellte Nachahmung sind. Immer noch wird es dann so etwas geben wie das Schütteln der goldenen Mähne, und oft noch wird der Gütige Fürst sagen: "Laßt ihn noch einmal brüllen."

C. S. Lewis, Über den Schmerz

Montag, 26. Dezember 2011

Das Unendliche HeilsGeheimnis der Fleischwerdung GOTTES

Ein Nachdenken





Zusammenfassung
Der folgende Eintrag versucht ein wenig dem unendlichen Heils- und OffenbarungsGeheimnis der Fleischwerdung Gottes nachzudenken oder dem, was in dem obigen Bild enthalten ist.


Die totale Revolution - Exkurs Woran glauben die Gläubigen? Die ontologische Natur und epistemische Beschaffenheit der Glaubensdinge. - Annäherungen Der allmächtige Gott, der Kind geworden ist - Kraft und Niedrigkeit - Die Tür - Die Berührung - Natürliche Experimente





Die totale Revolution
Ein Teil der Welt feiert heute Weihnachten, das jährlich wiederholte und hoffentlich mehr und mehr wieder-holte Fest der Geburt, der Inkarnation des allmächtigen Schöpfergottes.

Nicht nur dieser Teil fragt sich, wenn er sich überhaupt etwas und erstrecht dieses fragt, was denn das bedeutet, was das bedeuten könnte, wenn diese Frage nicht grundsätzlich eine "schwere Frage" und der Sachverhalt, der mit ihm impliziert wäre, nicht so grundlegend schwer, weil grundlegend all-verwandelnd, re-volutionär wäre und ist, wenn er nicht den gesamten Himmel und die gesamte Erde grundumwandeln und umstürzen würde, um am Ende jene Herrschaft zu stürzen, welche uns (zum Teil auch) heute noch vorsteht: die Herrschaft des endgültigen Endes, des Verendens, des Todes, der Todesbedrohung, der Hinfälligkeit, Krankheit und der bloßen Hoffnung, des Beharrens auf dem Guten bei mäßig ersichtlicher Gewähr, um diese Herrschaft umzudrehen, zu stürzen, unter die eigenen Füße zu bringen und um jene aufzurichten und aufgerichtet sein zu lassen, in welcher das ewige Licht, das unsterbliche Fleisch (Fleisch im Licht, Licht im Fleisch) und (das heißt) das ewige Leben ein- und aufgerichtet sind, um über allem, in allem und durch alles zu sein, und d.h. zu thronen und zu herrschen,  aufgerichtet zu sein

jenes Kind, jenes göttliche und GOTTESKIND zu sein, das alles und in allem und durch alles ist und das jenes ist, in welchem die neue Welt hier errichtet ist.


Exkurs
Woran glauben die Gläubigen?
Die ontologische Natur und epistemische Beschaffenheit der Glaubensdinge.


"Fides non terminatur ad enunciabile, sed ad rem." (Der Glaube endet nicht bei den Aussagen, sondern bei der Sache.)
Thomas von Aquin, Summa theologica, II-IIae, q. 1,a.2,ad 2.

Woran glauben die Gläubigen? Natürlich gibt es beim Glauben und bei den Gläubigen eine (und auch völlige) Möglichkeit ihres Glaubens aus dem Glauben an das Erzählte, Übermittelte und Mitgeteilte (auch Mit-gezeigte), in dem sie Glauben haben.
Es gibt aber auch eine eigene wirklichkeitskonstitutive Art der Glaubenssachen, wie ich das nennen möchte, also eine besondere morpho-ontologische Struktur der Glaubensweltdinge, welche sie abhebt, unterscheidet, aber auch verbunden sein läßt (wenn der Glaube echt ist) mit und von der unmittelbaren Naturalität (der Objektivität und Faktizität, der Dinglichkeit) und welche sie anders sein läßt zu den sog. Spituralia, zu jenen spirituellen Konstituenzien, welche bloß geistige, also geisthafter Art sind, welche, um es kurz zu machen, nicht verkörpert sind und noch nicht die Verkörperung erfahren haben oder diese gar scheuen, oder diese ihnen gar nicht möglich ist, jene Jenseitigkeit der Seele, welche immer ein Jenseits bleibt. Davon unterscheidet sich die Morphoontologie der Glaubensdinge (wenn sie echt sind) und sie einbehält sie zugleich (d.h. die Glaubensdinge haben dann etwas ganz Naturales und sind zugleich etwas ganz Spirituales). Aber wie geht das und was ist das?

Es sind Glaubenswelteinrichtungen.

Man könnte sagen, daß die Glaubenden sich ja gerade dadurch auszeichnen, daß ihnen der Zugang und der Aufgang dieser Glaubensweltdinge zugänglich und damit ihre Wirklichkeit aufgängig geworden ist und ist.

Die Glaubensweltdinge sind dann diejenigen Dinge und Verhältnisse in denen jene grundlegenden Aporien der herkömmlichen Wirklichkeit aufgehoben und verwunden sind. Sie sind dann Einrichtungen einer aufgängigen und d.h. heilen Wirklichkeit und Koexistenz, welche der herkömmlichen Wirklichkeit und Wirklichkeitssicht eben ganz unmöglich und jenseitig und unfaßbar ist.

Hinzu kommt, daß bei den Glaubensweltdingen und -einrichtungen (zumal denen der christlichen Welt von denen ich hier spreche und sprechen kann) die Glaubensinhalte soteriologischer, also heilshafter Natur sind. Sie sind Heilswiederherstellungen und somit Wiederherstellungen des unversehrten Zustandes, aber zugleich auch vollkommene Forschritte insofern als sie nicht den bloßen ersten Anfang wiederholen oder herstellen, sondern so, daß sie die Heilung und Wiederherstellung so gewärtigen, daß sie die Offenbarungsgeschichte absolut nach vorne bringen: In der Heilsgeschichte und dem Heilsereignis Gottes, wie es das Christentum bekennt geschieht das Ereignis des Heils gerade dadurch, daß etwas ungesehenes Wirklichkeit wird: Der Gott wird hiesige Wirklichkeit. Der Gott wird Mensch, er geht völlig ein in die Realität der Schöpfung und anerhebt somit die Schöpfung  zur Göttlichkeit. Dies ist ein Fortschritt in der Heils-, aber auch in der Offenbarungsgeschichte, welcher nicht nur wiederherstellend und rückwärtsheilend ist. So kann man sich auch eine Relevation und Inkarnation Gottes auch in einem völlig an der Gefallenheit vorbeigegangenen Paradies vorstellen, in welchem dann dieses Ereignis das absolute und das offenbarste Ereignis und Geheimnis wäre: DIE OFFENBARUNG GOTTES SO WIE ER WIRKLICH IST.

Die Glaubenden also sehen und vernehmen und leben in und aus einer Wirklichkeit heraus, welche die Realität dieser Erlösung und Offenbarung behauptet, bzw. re-präsentiert. Die Glaubensvollzüge, Lehren und Einrichtungen sind Einrichtungen dieser Erlösung und Wiederherstellung und unübersteigbaren Offenbarung und Einrichtung.

Das muß man wissen und anerkennen und das kann nicht unterschritten werden, wenn man von den Glaubensdingen, ihrer epistemischen und ontologischen Art und von den Glaubenden redet.

Sie leben von einem Dritten her und/oder auf es hin, daß sowohl das ganz andere der Naturalität als auch der Spiritualität ist, indem es das Eigentliche und das Erfüllte und Vollendete der beiden ist; indem es nämlich die Aufstellung und Einrichtung ihrer Vollendung und Erfüllung ist: die realsymbolische Repräsentation des Vollkommenen und des Heils.


Annäherungen


Der allmächtige Gott, der Kind geworden ist
Du, der du jener bist, der alles erschuf und aus dem alles ist, welcher du alles umfaßt und alles einbefaßt und trägst, welcher du die vollendete Bedingung und freilassende Freilassung und Rechtfertigung von allem, das Gut des Guten, das Schöne des Schönen, das Wahre des Wahren bist, der unendliche unheimliche, sich auf dem Berg Sinai offenbarende und durch deine Schöpfung unheimlich und unendlich erhaben sich mitteilende und sprechende Gott bist,
du gingst in diese Deine Schöpfung ein
und vollendetest damit,
durch die Macht deiner Anwesenheit, die ganze Schöpfung und erhobst sie vollkommen zu dir und in dich, machtest sie zu dir, zu deinem Fleisch und Blut, zu deinem Wesen und Geist
und zu deinem unsterblichen ewigen Körper,
welcher ist in der vollkommenen Fülle der vollen Gegenwart
und Unversehrlichkeit und Immerwährend.
Somit vergegenwärtigtest du uns und brachtest du uns deine Natur
zu uns: das ewige Leben, welches wir immerwährend in dir haben.
Du hast, indem du das Kind geworden bist
und in die Menschenwelt hinabgestiegen bist,
der Welt die absolute Heilung und Erlösung und Erhebung
und Vergöttlichung gebracht.

Wie können wir das sagen? Erst im Nachhinein
ersehen es diejenigen, die sich vor dir, auch bevor sie den Erweis gesehen haben,
verbeugt haben, denn dein Leben endete
nicht mit dem Ende von allem,
sondern auch noch dann weiter gingst du und
des Todes Wunden an dir tragend,
erzeigtest du den deinen deinen unversehrten Leib,
der der Leib des Lammes Gottes gewesen sein wird,
der Hirte,
der König und der Vorsteher des gesamten Universums,
der Anfang und das Ende,
das Herz,
der Kopf,
der Arm, Beine und Hände.
Dein ewiges Gesicht erzeigtest du den deinen
und legtest somit den göttlichen Samen, das göttliche Wort als es selbst in dieser Erde Umstände ein und redetest im Gefängnis
(ab 2:00 http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=kakdCdZBXwg )

Für uns also gingst du an jenes Ufer und
schwammst in jenem Fluß, der allen der dunkelste ist
und allen also bildetest du eine Brücke
für jenes Land, in dem ewige Währendheit,
Heilung und Seligkeit ist,
in welchem der Tod,
die Naht des Körpers und Atems ist,
das dein Leben atmet,
das wir zusammen im ewigen Hochzeitsmahl sind.


Kraft und Niedrigkeit
Wir können es nicht fassen und fragen uns, wie es möglich ist,
dass wir das Allmächtigste und das Allhervorbringendste,
das Erhabenste und Geheimnisvollste,
das Ganz Andere und Unergründlichste,
das somit (Ehr-)Furchteinflößende

in etwas anbeten sollen,
dass wir (und jeder von uns und auch der Mächtigste)
unser Knie vor etwas beugen,
dass wir etwas als das Allmächtigste und Furchtbarste bewundern sollen,
das ganz und gar das Verletzlichste,
das Zarteste
und Mitleiderregendste ist.

Wie aber hast du somit auch wieder und erneut
unsere Natur erhoben,
indem du derselben Natur
das Gesicht jener Unsterblichkeit gabst
und geben wirst,
welche über die Wunden der Dornenkronen
und über die Male des Kreuzes
hinausgehen wird,
welche auch diese liebend umfangen
und aufnehmen wird
und verwinden wird,
zu Rosensprossen wenden
und zu Quellwassern
des ewigen Lebens eröffnen wird,
welches du den deinen gewesen sein wirst,
welche du in deine ewigen Strudel ziehst,
welche in deinem unversehrten himmlischen Leib der Erde
auferstehen werden.

Welcher Kraft bedarf es, oh Herr,
die Einfachheit, das was da ist,
als das zu sehen und zu nehmen,
zu dem du es gemacht hast,
zur Ewigkeit deiner Gegenwart,
zu deinem Vorschein,
zu unserem Himmelsfest,
unserer Krone.

Schenke uns, Herr, die Gnade
dieser Eröffnung
und gewähre uns den Aufgang
deines und unseres ErdenHimmels.

Die Tür
Genauso wie Karfreitag/Ostersonntag und dann die Feier des Hl. Osterfestes eine Tür
ist, so ist auch Weihnachten die Tür. Ist Ostern die Tür der Heiligung (und d.h. Heilung),
so ist Weihnachten die Tür der Neuwerdung und der Vermählung.

In der Feier der Heiligen Weihnacht feiert und d.h. repetitiv begeht und immer mehr
eingeht der Mensch in die Wirklichkeit der Vermählung und der Begegnung
und des "Ineinsfalls" des Unendlichen und des Hiesigen, als die Weise
des Werdens der Gemeinde und d.h. der Versammlung und der Polis des kosmischen
Weltenherrschers und seiner neuen, der abschließenden und vollkommenen Welt.

Das Begehen der Feier der Hl. Weihnacht als der Nacht des Werdens und d.h. der
Geburt des Herren ist die Feier des Aufgangs und des Aufgehens der Neuen Ewigen
und Unversehrten Welt und Ewigkeitsschöpfung. Denn wie kann es sein,
daß das Reich des Christus untergeht? Wie kann das, was im Vater, dem Herren
und Schöpfer von allem behauptet und getaucht ist, in seiner ewigen Ewigkeit
Vergangenheit haben? Wie kann es Werden, was es nicht eh schon geworden ist?
Es geht unter, aber dafür kommts um so mehr und vollendeter heraus
und ists um so mehr und eindeutiger eingerichtet und ausgestaltet
wie eine Pracht der Blumen
und wie eine milde Versammlung und Hierarchie von allen
in der Mildheit, Be-Ständigkeit und Wohlwissendheit
des einen Herren.

So ist auch die Weihnacht der Anfang. Es ist der immerwährende Anfang
der Geburt des Herren. Oh Welt, die geboren ward! Oh Herr Vater, Sohn &
Heiliger Geist bleibe uns nahe, auferständige uns in deiner Kraft,
welche all-schöpfende Liebe heißt!

Die Berührung
In dem obigen Bild (dem Bild des Gotteskindes in der Krippe auf dem Stroh) lobpreist
und verehrt die Kirche (und es sind dies diejenige, die diese Verehrung tätigen)
die unaussprechbare Wunderlichkeit der Berührung und Verschmelzung der absoluten
Göttlichkeit (der unergründlichen Gründe und Abgründe des (Schöpfer)Gottes)
und seiner (freien) Schöpfung und der Kontingenz, der Naturalität und Wüchsigkeit.

Die Berührung und Verschmelzung konzentriert und manifestiert sich in der Gestalt
des (angebeteten und anzubetenden) GottesKindes in der Krippe.
Das Kind in der Krippe ist nicht irgendein Kind. Es ist nicht die Anbetung der Kindschaft,
welche in dem Anbetungsbild geschieht. Sie ist es auch, aber sie wäre nicht die
Anbetung, wenn dieses Kind nicht eine Aura (und dann auch eine Vollführung im Leben
hätte), welche um alles das (herkömmlich) Menschliche überschreitet und -strahlt
und somit dem Menschenkind jene Höhe und Möglichkeit der Fülle eröffnet,
welches es zu jenem Gotteskind ebenfalls wird machen können.
In dem Kind ist angebetet der Gott, welcher in dem Kind geboren und d.h. eingelegt
und ausgebreitet ist.

Die Verehrung der Berührung (von Himmel und Erde) geschieht also just in der Anbetung
(und der Wiederholung der Anbetung) dieses Kindes und Gotteskindesbildes und
-verhältnisses.
Man kann sagen, daß der Sachverhalt der Berührung mit diesem Bild und dieser Anbetung
zusammenfällt und daß er nicht anders auf den Punkt gebracht möglich ist und zwar deswegen, weil in diesem Bild die Gegenwart der vollkommenen Verschmelzung präsent ist und sich dann auch als präsent ausweisen wird.
Aus diesem Grund gehört derjenige, welcher seine Tradition überliefert zur Überlieferung der Verkörperung und der Berührung des Gottes, er hat von dieser Natur der Berührung an sich und er ist Teil dieser Natur. Er ist quasi jener Teil der Berührung und der Überlieferung, welcher bis auf uns durch den Lauf der Zeit durchgekommen ist. Er ist reale Gegenwart jener Berührung und seiner Natur. Er ist somit Gott. Das ist vielleicht ärgerlich und anstößig, aber die Konsequenz der Aufstellung und des Denkens und des Mysteriums der Materie erlaubt es nicht anders.
Die Endgültigkeit und die Initiation und Eröffnung der Berührung ist also in diesem Herzverhältnis
(der Anbetung der Inkarnation, der Geburt des Herren) gegenwärtig. Sie ist immerwährend und an ihr wechsel sie von ihrer horizontal-naturalen Natur in und zu jener vertikal-absolutgöttlichen Beschaffenheit, welche aus und in der Naturalität jene Ewigkeitsgegenwärtigkeit macht und werden läßt, welche wunderanfänglich und -wirksam ist.
Die Berührung des Himmels und der Erde in jenem bestimmten Menschen seiner Geburt eröffnet und installiert unweigerlich den Neuen Himmel und die Neue Erde des Ewigen, des ewigen und unversehrlichen Lebens.
Aus diesem Grund ist der Anbetungs- und Aufrechterhaltungs- und Überlieferungsvorgang der Kirche der unbedingt notwendige Akt der Überlieferung, Aufrechterhaltung, Anbetung der Vereinigung des göttlichen Grundes und der Realität, der Inkarnation oder Geburt Gottes und somit der Akt der Präsenz
der Eröffnung und Einbergung dieses und in dieses Mysterium der ewigen göttlichen Gegenwart und Wirklichkeit in der Vereinigung und Verschmelzung mit der Gegenwart der Erde.
Das ist der Grund der realsymbolischen Natur und Beschaffenheit der Akte und der Natur der Kirche. (27.12.11)

Natürliches Experiment
Man könnte sich und müßte sich eine Anordnung und ein Experiment vorstellen, in welchen der "selbstverständliche" Gedanke der "Weihnacht", die Berührung des allgöttlichen Grundes mit der Naturalität und Endlichkeit der Erde und ihre Vorstellung in der Gestalt des geborenen Gotteskindes Jesus von Nazareth in der Krippe (und seiner Folgen), aus der Welt getilgt, vertrieben, ausgeschnitten, verboten und unterbunden wäre. (Vielleicht müßte man sich diesen Gedanken auch real für die Zukunft vorstellen oder sollte ihn als ein Szenario durchspielen und dann auch durchgehen.).
In diesem Fall wäre alles was mit dem Christentum in die Welt gekommen ist von dieser Welt erneut wie abgeschnitten, weggeschnitten, hypno-elektrisch(?) abgespalten. Was würde passieren? Wäre dieses Szenario und diese Phase des Szenarios nicht verblüffend ähnlich der des Karfreitags und des Karsamstags? Würde sie nicht den Tod und die Grablegung Jesu bedeuten?..

Dieses Experiment ist auch deswegen wichtig, weil wir scheinbar nicht mehr anders in der Lage sind, jene Dynamiken der Auferstehung und der Rettung und der Todesüberwindung zu begreifen oder für Ernst zu nehmen. Wir brauchen scheinbar die unmittelbare Erfahrung jener Wucht der Aufsprengung des Grabes und der Zertrümmerung der kosmischen Grabeshöhle. Wir brauchen scheinbar die Erfahrung jener Wucht des Einzugs des Lebensgeistes in die Abwesenheit des Lebens und jenen Akt der Schöpfung, des "Komm heraus!" und des "Werde!"

Dann würden wir vielleicht und erst, auch leibhaftig erfahren und sehen, was dieses Unendliche Heils- und OffenbarungsGeheimnis der Fleischwerdung GOTTES und der Werdung der Welt bedeutet. (27.12.11)




Samstag, 17. Dezember 2011

Rückkehr der Spekulation II

"Materiale" Kreation der Selbstverwirklichung

In dem Beitrag "Rückkehr der Spekulation" habe ich angesichts der gegenwärtigen phänomenalen Lage der Weltwirtschaft und ihrer Entstehungsbedingungen (mangelhafte Verfassung der Finanzwirtschaft als der kapitalistischen Primärwirtschaft, bzw. eine unbefriedigende, wachstumsverhindernde Politische Ökonomie des Systems) ein Grundmodell ihrer Überwindung skizziert und vorgeschlagen.

Dieses besteht in einer letztlich einfachen doppelten, systemischen Verschränkung und somit Systemanverwandlung, für welche mir nicht verständlich ist, warum ihre allgemeine Verfolgung und Einführung nicht allgemein verfolgt und betrieben wird. Ich sehe nämlich keinen größeren Akteur ("Kapitalisten", "Arbeitnehmer"/Konsument, Staat) des Systems (außer den der Trägheit), in dessen Interesse die Umsetzung der Systemmodifikation nicht läge und dessen erneute dimensionale Wachstumseröffnung, Entlastung und Wohlstandsgenerierung sie nicht wiederherstellen würde. (Ich bin jeder Stimme dankbar, welche mich auf einen in meinem Vorschlag enthaltenen Denkfehler und dessen unhaltbare Plausibilität aufmerksam macht, andernfalls ich an der Verstandes- und Lebenserhaltungsabsicht des Systems zu zweifeln angehalten bin!)

Der Systemwandlungszugriff besteht, um es nochmals wiederholend zusammenzufassen, in den folgenden zwei verschränkten Schritten:
1. Steuerliche Einbindung der Kapitalmarkterträge (entsprechend der Besteuerung der Realwirtschaft und der Einkommen).
2. Wohlstandsgenerierende Aktivierung der Denksubstanz des materiellen Systems der Volkswirtschaften. (D.h. Ermöglichung der Förderung, Betreibung und Umsetzungsoptimierung wirklich kreativer und innovativer, lebensqualitätserweiternder und -kultivierender Geschäftsmodelle und -inhalte aufgrund gesteigerter Steuereinnahmen und Staatsetats und aufgrund des Wegfalls der Sparauferlegung und damit Wachstumsverhinderung und Rezessionsauferlegung.)
3. Diese beiden reinökonomistischen Hebel implizieren die Inbetriebnahme eines politökonomischen Akteurs, nämlich der Reaktivierung der Politik, des Politischen der Politik, welche die Lehre und Praxis der optimalen, wohlstandsgenerativen Lebenseinrichtung des Gemeinwesens ist. Sie bedeutet und beinhaltet die Wiedereinführung, die Reaktivierung oder den wahren Aufgang der Politik (Und das jenseits aller Krampf-konstruktivismen und kaschierten Interessens-Ideologien der Politischen Ökonomie.).


In dieser Fortsetzung des Beitrags möchte ich auf die sich aus diesem Vorschlag ergebende primäre Frage eingehen.

Diese müßte wie folgt formuliert werden:

Warum würde ein steuerliches (re-)entry, eine Einbindung der Kapitalmarkterträge in das Bruttosozialprodukt zu einer vollkommenen Restrukturierung, Vertiefung und dann auch Verwirklichung, Wiedereröffnung und heilsamen Verwandlung des ökonomischen und polit-ökonomischen Systems führen?
Warum würde diese eine erneute, dimensional gesteigerte wohlstandsgenerative Potenz des Systems begründen und bedeuten?

Die Antwort ist offensichtlich und läge auf der Hand.

Die nicht rein investionistische, d.h. reinökonomistische Verwertung des Kapitals, vielmehr seine fiskalistisch vermittelte und gebrochene Verfügbarmachung und Einsetzung bedeutet den Einsatz und die Investition in die Bedingungen des Wachstums, der Kreation und Innovation und der Konsolidierung.
Sie bedeutet die Verknüpfung und damit Wiederherstellung der kapitalistischen Versorgung des Gemeinwohls (öffentlicher Haushalt). Sie ist somit Urinvestitionspolitik und -ökonomie. Protokapitalismus und Superkapitalismus.
Einzig die "Materie" und die "Gedanken", die Realideen, des "Gemeinkörpers" sind es, welche und aus welchen ein neuer Zyklus wirtschaftlicher Generation, ihrer Verfolgung, Unternehmung und Aufstellung geschehen kann. Sie bedeutet dann aber auch zum ersten Mal die Möglichkeit der Einlösung der Versprechen und Absichten der neuzeitlichen, welfare of the nations Ökonomie: Die Möglichkeit der Einrichtung der Lebensökonomie und Lebensökonomien der Öffentlichkeit, der Allgemeinheit und d.h. die Realisierung unserer Selbst.

Sie bedeutet die Einrichtung der Lebensökonomie des Systems, des Lebens und der Gesellschaft, die Einrichtung einer Ökonomie erst im eigentlichen Sinne, als Hauswesen des allgemeinen Lebens.
Sie ist Verwirklichung der Kapitalwirtschaft und sie ist Überwindung der bloßen Lebensmittelökonomie, als der Ökonomie der versuchten Bedürfnis- und Mangelbefriedigung.
Sie ist zum ersten Mal öffentliche, allgemeine Ökonomie des Seins der Realität, dessen, was da ist und in diesem Sinne Ökonomie der Fülle, so Fülle und in welcher Weise Fülle oder überhaupt etwas das ist,
was eigentlich das Leben, sein Betrieb und seine "Materie", Substanz ist, das Brot des Lebens, das gehandelt wird.